logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

Mai
Mo Di Mi Do Fr Sa So
18 29 30 01 02 03 04 05
19 06 07 08 09 10 11 12
20 13 14 15 16 17 18 19
21 20 21 22 23 24 25 26
22 27 28 29 30 31 01 02

FÖRDERGEBER

  BMUKK

  Wien Kultur

JAHRESSPONSOR

  paperblanks
kopfgrafik mitte

Wolfgang Hermann: Das Gesicht in der Tiefe der Straße.

Momente einer Stadt.
Salzburg: Otto Müller Verlag, 2004.
157 S.; geb.; Eur[A] 16,-.
ISBN 3-7013-1082-3.

Link zur Leseprobe

Wolfgang Hermann ist ein Stadtschreiber. Nicht im Sinne des Postens, bei dem Städte Schriftsteller über einige Zeit Kost und Logis zur Verfügung stellen, vielmehr: Wolfgang Hermann schreibt Städte. Man kann das so klausuliert und pathetisch sagen. Der Verlag weist auf dem Klappentext auf den Umstand hin, dass Hermann "bereits seit seinen ersten Büchern" die Frage beschäftige: "Wie spricht man eine Stadt?"

Zwar ist es bei Hermann immer mehr ein Schreiben denn Sprechen, aber seit "Das schöne Leben", seinem Buchdebüt 1988 bei Hanser, begleitet ihn das Urbane als Faszinosum, als Schreib-Urgrund. Erich Hackl brachte in einer Rezension "Das Gesicht in der Tiefe der Straße" ungewöhnlicher-, aber konsequenterweise mit "Mein Dornbirn" (1991) in Bezug, mit jenem "Heimatbuch" Hermanns, das sich in einer "fast schmerzhaften Präzision von Beobachtung und Beschreibung" (Hackl) dem Geburtsort nähert und so gar nichts mit herkömmlichen Heimatbüchern zu tun hat.

Viele Bücher Hermanns sind topographische Breviere, auch diese "Momente einer Stadt". Das Topographische ist der Urgrund dieses Schreibens, aber nicht die alleinige Entität - die Orte werden in den kurzen Prosastücken osmotisch, die Zeit dringt in sie ein, vielfältige Sinneseindrücke sind daran gebunden oder auch Erinnerungsbilder. Hermann "beschreibt" also keine Städte, er "erschreibt" sich aber auch keine poetisch genuinen Städte. Schreiben ist bei diesem Autor Apperzeption, Wahrnehmung und das Hinterfragen von Wahrnehmung (und ist deshalb kein "Sprechen"). Und dabei begleitet ihn ein scheinbares "Urvertrauen" in die präzis gesetzten Wörter, mitunter meint man es mit einem sprachlich hellwachen Traumwandler zu tun zu haben. Wolfgang Hermann hat nie Scheu vor (seinen) "großen" Worten, er geht unbekümmert ins vermeintlich Pathetische hinein. Diesmal sind aber die urbanen Momentaufnahmen sprachlich "zurückhaltend", sich oft dem Fotografischen annähernd - wobei es in keiner Weise um Wiedererkennbarkeit geht, die Städte sind namenlos, und wo sie - wie Paris in mehreren Fällen - erkennbar sind, sind sie nicht "typisch".

Die Wahrnehmung wechselt zwischen Bewegung und Stillstand, zwischen Verwandlung und Bild ("Wie das Bild einer Stadt sich verwandelt für den, der in es eintritt."); Verkehrsmittel, Züge und Flugzeuge werden dabei ebenso häufig aufgesucht wie die Cafés - Orte des Stillstands im Gewühl der Großstadt. Manchmal fließt beides, Bewegung und Stillstand, zusammen, man bewegt sich in das Bild hinein.

Der Blick des Schreibenden ist stets ein fragender, er möchte am liebsten den Blick permanent reinigen. In dieser Hinterfragung wird die Stadt zum Spiegel des Selbst - und die Spiegelmotive tauchen denn auch häufig auf. Mit dem Phänomen Stadt scheint es so zu sein wie mit jenem Spiegel im Text, dem eine Frau sich nähert: "Je näher sie kommt, desto unlesbarer die Botschaft." Die Stadt als solche ist unlesbar ("Seltsam einsame Häuser zeigen ihre unlesbaren Gesichter, er erkennt nichts wieder, vergißt, wo er ist."), ihr ist objektiv nicht beizukommen: "Wenn ich auch alles verfügbare Material über eine Großstadt zusammentrüge, (...) so wäre doch nichts gesagt." Hier kann nur ein "Ich" eingreifen mit seinem radikal subjektiven, an Momenten haftenden, detailgenauen und skizzierenden Blick - und damit etwas sagen.

Stellenweise gewinnt man aber den Eindruck, der Autor würde ein Schweigen über die Stadt vorziehen - und manche Miniaturen gehen in ihrer Kürze schon in diese Richtung. So gesehen malt Wolfgang Hermann am Ende ein äußerst konsequentes Bild (womit sich Josef Roths Tunda am Schluss der "Flucht ohne Ende" assoziieren ließe): Die Person, "die Frau", verschwindet in diesem Bild, sie löst sich "in der Menge auf dem Bahnsteig" auf.

Wolfgang Straub
25. Oktober 2004

Originalbeitrag

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Huellkurven – Audiopoetische Räume

Fr, 24.05.2013, 19.00 Uhr Soundpoetry | Anthologie- & Projektpräsentation Mit Thomas Havlik,...


Ausstellung
Hanno Millesi Neo-Geo

04.04.2013–27.06.2013 Bildnerische Arbeiten gehören seit Beginn seiner künstlerischen Tätigkeit...


Tipps
flugschrift

flugschrift Nr.4 - gestaltet von der Autorin und Fotografin Petra Coronato - ist ab sofort im...


BÜCHERFLOHMARKT

Noch bis 29. Mai 2013 findet im Foyer des Literaturhauses, Seidengasse 13, 1070 Wien,  ein...