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Ulrike Schmitzer: Die Stille der Gletscher.

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Roman.
Wien: Edition Atelier, 2017.

144 Seiten; gebunden; 18 Euro.
ISBN 978-3-903005-25-9.
E-Book: 12,99 Euro.
ISBN 978-3-903005-46-4.

Autorin

Leseprobe

Ulrike Schmitzer fackelt nicht lange. Ohne Umschweife steigt die Autorin in die spannende Welt der Gletscherforschung ein. Ganz zufällig wird die Ich-Erzählerin, eine Fotografin, die für eine Umweltschutzorganisation den dramatischen Rückgang der Eismassen dokumentiert und nebenbei ein Buch über Menschen, die sich mit Gletschern beschäftigen, herausgeben will, in die Entdeckung eines riesigen Komplotts rund um illegale Wasserspeicherung hineingezogen.

Während sie auf der Suche nach den besten Motiven für ihre Fotos ist, erfährt sie ganz nebenbei von den Gefahren, die den Gletschern drohen. Meist nutzt sie für das Shooting dieselben Positionen, die ein Jahrhundert zuvor schon andere Fotografen eingenommen hatten, und bezeugt auf diese Weise die Veränderung. Die historischen Gletscherfotos sind im Buch abgebildet. Es sind die unterschiedlichsten Interessen, die hier in den österreichischen Alpen aufeinander treffen: Die einen suchen den monetären Nutzen, so wie ein Eventmanager, der abstruse Marketingideen pflegt, die anderen, aus der Gilde der Wissenschaftler, schreiben sich den Schutz der letzten Überreste der Eiszeit auf die Fahne. Die Fotografin dokumentiert alles mit nüchternem Blick.

Ulrike Schmitzer erzählt in ihrem neuen Roman "Die Stille der Gletscher" mit viel Sinn für Spannung. Sie berichtet einerseits von Fakten und konkreten Daten und baut diese andererseits mit Fantasie zu monströsen Fiktionen aus, die dennoch glaubhaft wirken. Da ist die Rede von (venezianischen) Gondeln auf Speicherteichen, von grandiosen maschinenbetriebenen Events einer total abgehobenen Gesellschaft, die auf den letzten Resten der Gletscher abgefeiert werden. Anhand solcher Szenarien bereitet sie uns auf den ausgeklügelten Coup eines weltweiten Wasserraubes vor.

Zusammen mit einem sich in ständiger Aufregung befindlichen emeritierten Professor und einem besonnereren, aber ebenso unzufriedenen Gletscherarchäologen entdeckt sie ein schwerwiegendes Verbrechen, das die Zukunft der gesamten Menschheit betrifft. Demgemäß ist der Rückgang des Gletschereises nicht nur auf Klimaerwärmung zurückzuführen. Das Schmelzwasser wird in unterirdische Höhlen abgeleitet und soll später nur den Superreichen zur Verfügung stehen, während alle anderen an der in naher Zukunft bevorstehenden Wasserknappheit leiden werden.

Doch wohin sich die drei Aufdecker auch wenden, überall stoßen sie auf ein Netz von Intrigen. Als vierter gesellt sich noch der Ehemann einer Forscherin zu ihnen, die, dem Bösen auf der Spur, ermordet wurde. Eine letzte Hoffnung, das unheilvolle Tun aufzuhalten und öffentlich zu machen, ist eine Reise nach Island, wo Erik, der Sohn der Fotografin und selbst Forscher, ihnen Zugang zu einer weltweiten Pressekonferenz verschaffen will. Doch auch dort kommt alles anders.

Das Nachwort des Romans von Professor Michael Staudinger, Direktor der Zentralanstalt für Metereologie und Geodynamik in Wien, führt uns noch einmal vor Augen, dass die Autorin bei aller Fiktion nicht so weit von der harten Realität entfernt ist. Es bedarf nur noch kleiner Schritte, um das empfindliche natürliche System zu kippen: "Heute zwei Tonnen mit einem SUV quer durch die Stadt zu bewegen, um siebzig Kilogramm Mensch zu transportieren, soll den Meeresspiegel am anderen Ende der Welt heben? Kann echt nicht wahr sein, ist es aber leider." (S. 133)

Ulrike Schmitzer, die als Publizistin das Handwerk der sachlichen Information gelernt hat, gestaltet die Ich-Erzählerin als kühle Beobachterin, der sie den überschwänglichen Professor zur Seite stellt. Er ist derjenige, der für die Sache brennt. Studenten, die glauben, alles was sie für die Forschung benötigen im Internet zu finden, verurteilt er scharf. Er ist der Feldforscher schlechthin, genau wie der Gletscherarchäologe, dessen primäre Forderungen nach Präzision und moralischem Handeln von den verantwortlichen Stellen beiseite gewischt werden.

Die Schattenseiten der Forschung werden genau in dem Maß überzeichnet, dass es einen guten Krimi ergibt, doch ist der Zwang der modernen Wissenschaft, sich nach Geldgebern zu richten, genauso real wie die Notwendigkeit, dass Wissenschaftler sich dem wissbegierigen Publikum als flotte Conférenciers präsentieren, um teure Forschung zu rechtfertigen. Wie man ein Sachthema spannend aufbereitet, hat die erprobte Autorin schon in anderen Romanen gezeigt und es ist ihr auch diesmal wahrhaft gelungen.

Beatrice Simonsen
8. März 2017

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